Züge für eine grüne Zukunft – eine Möglichkeit

Züge für eine grüne Zukunft – eine Möglichkeit

Das Jahr 2021 wurde zum Europäischen Jahr der Eisenbahn erklärt. Die Europäische Union spricht schon seit Jahrzehnten über die Bedeutung der Eisenbahn, aber erst mit dem Green Deal ist wirklich etwas in Gang gekommen. Jetzt kann zum ersten Mal eine Entwicklung hin zu nachhaltigeren Verkehrsträgern durch angemessene Mittel unterstützt werden. Wenn sie richtig gemacht werden, können diese Pläne große Auswirkungen auf das Klima haben, wie die Daten aus unserer Untersuchung zeigen.

Wenn wir uns die Welt der Züge ansehen, scheinen die Dinge an Fahrt aufzunehmen. Nicht nur mit dem Green Deal, sondern auch mit dem neuen Aktionsplan der Europäischen Kommission mit dem Titel “Stärkung des Schienenpersonenfernverkehrs und des grenzüberschreitenden Personenverkehrs”.  In der 18-seitigen Mitteilung an das Europäische Parlament und den Rat, die von einem 476-seitigen Bericht des britischen Unternehmens Steer begleitet wird, können Sie sehen, wie die magische Welt der Züge bis 2050 aussehen wird. Bis dahin muss der Verkehr, der 27 % der CO2-Emissionen verursacht, emissionsfrei werden. Züge, die nur zu 1 % zur verkehrsbedingten Umweltverschmutzung beitragen (im Vergleich zu 71 % bei Autos und 12 % bei Flugzeugen), können einen wertvollen Beitrag zum Kampf gegen den Klimawandel leisten.

Die EU hat in dem 2019 verabschiedeten Green Deal eine Reduzierung der Verkehrsemissionen um 90 % gefordert. Der Eisenbahn kommt dabei eine wichtige Rolle zu, denn es gibt derzeit kein umweltfreundlicheres Verkehrsmittel, insbesondere wenn es darum geht, viele Menschen oder Güter über lange Strecken zu transportieren.

Die Züge sind nur für 1,5 bis 2 % der Verkehrsemissionen verantwortlich (8 % des Personenverkehrs und 18 % des Güterverkehrs). Der Straßenverkehr ist dagegen für 71 % der Emissionen verantwortlich, der Schiffsverkehr für etwa 14 % und der Luftverkehr für weitere 12-13 %.

In der EU hören wir seit Jahrzehnten von der Notwendigkeit, auf die Schiene zu verlagern, aber bis zur Verabschiedung des Grünen Deals ist wenig geschehen. “Auf europäischer Ebene wird mehr in die Schiene investiert als in der Vergangenheit. Aber das erleben wir jetzt, nicht vor 25 Jahren. Es gab ein Mantra der Verkehrsverlagerung, aber die Investitionen gingen in eine andere Richtung”, sagte Alberto Mazzola, Präsident der CER (Gemeinschaft der Europäischen Bahnen und Infrastrukturgesellschaften), einer der wichtigsten Bahnlobbys, die sich aus staatlichen Unternehmen zusammensetzt.

Haben wir wirklich so viel davon, wenn wir nicht fliegen?

Es wird viel über die schädliche Gewohnheit geredet, für Kurzstrecken das Flugzeug zu nehmen. Aber wie viel können wir einsparen, wenn wir stattdessen den Zug nehmen würden? Würde man Flüge unter 500 km aus Umweltschutzgründen verbieten, würde dies die Verkehrsemissionen nur um 0,5 % verringern. Bezieht man Nachtzüge mit ein, die längere Strecken zurücklegen, ist der Gewinn nicht viel größer. Nach Angaben der Europäischen Organisation zur Sicherung der Luftfahrt (Eurocontrol) entfielen im Jahr 2019 3 % der Verkehrsemissionen in der EU auf Flüge über Entfernungen von weniger als 1.500 km. Dagegen entfallen auf Strecken über 4.000 Kilometer 6 % aller Flüge und 7 % aller Emissionen.

Dort, wo echte Alternativen entwickelt werden, entscheiden sich viele Menschen dafür, mit dem Zug statt mit dem Flugzeug zu reisen. Das beste Beispiel ist die Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Madrid und Barcelona. Der Zug befördert inzwischen rund zwei Drittel aller Passagiere zwischen den beiden Städten. Eine kürzlich von Greenpeace durchgeführte Studie hat ergeben, dass von den 150 verkehrsreichsten Flugstrecken in Europa nur 51 Städtepaare mit dem Zug in weniger als sechs Stunden zu erreichen sind. Der Bau von Hochgeschwindigkeitsbahnen verursacht jedoch eine Menge CO2-Emissionen – ein wichtiger Faktor, der ebenfalls berücksichtigt werden muss.

– Der Straßengüterverkehr ist der umweltschädlichste Sektor

Der Straßengüterverkehr ist weitaus umweltschädlicher als der Luftverkehr: Er ist für etwa ein Drittel der Emissionen verantwortlich, der Pkw-Verkehr für etwa 45 %. Allerdings sind die EU und die europäischen Regierungen auch in diesem Segment sehr zurückhaltend. Lastkraftwagen werden hauptsächlich von der deutschen Automobilindustrie hergestellt, die bei der Entscheidungsfindung in der EU eine starke Lobby hat.